29.11.2016, 19 Uhr: Hinter dem Geld – Antisemitismus und Verschwörungsdiskurs

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2016-11-09-aktionswochenVortrag mit Daniel Kulla

Ist über Verschwörungstheorien nicht längst alles gesagt worden? Wir glauben: Nein. Denn wer kennt sie nicht: die Reichsbürger*innen, Anhänger*innen der großen Weltverschwörung oder auch die Impfgegner*innen? Den Verschwörungstheorien sind heutzutage kaum Grenzen gesetzt. Obwohl nicht mehr wilde Spekulationen aufgrund unzureichender Informationen angestellt werden, sonder eine Reduktion trotz verfügbarer Informationen stattfindet. Dabei kommt sie aus der Mitte der Gesellschaft, knüpft an den dort bestehenden Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus an und spitzt diese lediglich zu. Diesen Mechansimen wollen wir mit dem Autor des Buchs „Entschwörungstheorie“ Daniel Kulla auf den Grund gehen.

„Wenn der Normalbetrieb aus Arbeit und Konkurrenz als leidlich-unvermeidlich gilt, müssen die Krisen, Kriege und der eigene Misserfolg woanders her kommen. Dafür genügt es meist, mit dem Finger auf die angeblich faulen Fremden zu zeigen, die einem doch die Arbeitsplätze streitig machen, oder aufs betrügerische fremde Kapital, das ins ehrenwerte einheimische Kreditgeschäft eingreift. Sind Kränkung und drohender Verlust größer und halten an, kann dieser Alltagsnationalismus sich rassistisch und antisemitisch verschärfen, wobei die Lücken in den Erzählungen mit der Annahme allmächtiger Verschwörungen gekittet werden. Scheint gar die ganze Ordnung in Gefahr, kann der Antisemitismus, der hinter dem Übel aus Kapital und Lohnarbeit, das er ja nicht abschaffen soll, noch einen teuflischen Geheimplan ausmachen muß, zur Welterklärung mit mörderischen Konsequenzen gerinnen. Dagegen hilft kein Spott, sondern nur die Auseinandersetzung, die das ideologische Bedürfnis ernst nimmt und der vermeintlich alternativlosen Marktkonkurrenz den Zusammenschluss auf Augenhöhe und die gemeinsame Übernahme der Produktionsmittel entgegensetzt.“

Daniel Kulla schreibt („Entschwörungstheorie“, „Leben im Rausch“), macht Musik (Clastah, Egotronic, Björn Peng) und stiftet an („Sin Patrón – Instandbesetzte Betriebe“).

logo_aktionswochen_gegen_antisemitismus_2016Weblink: http://www.classless.org/kontakt/vortrag-entschworungstheorie/

Diese Veranstaltung findet im Rahmen der Aktionswochen gegen Antisemitismus Fulda statt und ist eine Kooperation des mag.lab mit dem AK36